Nach Wildes Ried über Skulpturenfeld

16. November 2025

Auf dem Tagesprogramm an diesem wolkenverhangenen Herbstsonntag im November steht „Nach Wildes Ried über Skulpturenfeld“ im oberschwäbischen Oggelshausen. Wanderführerin Tatiana Braun empfängt die 16-köpfige Wandergruppe aus Blaubeuren auf dem großflächigen Friedhofsparkplatz und entführt sie alsbald durch den kleinen Ort in eine leichthügelige Landschaft mit einem weiten Blick in die Bad Buchauer Moorlandschaft und auf den Bussen in der Ferne. Schon bald stehen alle vor der ersten Skulptur mit dem Titel „Gitter V“ des deutschen Bildhauers Hans-Michael Franke aus Sinsheim, die wie ein vergessenes Abrissteil eines Hauses am Wegesrand liegt und teilweise von Gras überwuchert ist.

Doch schon lockt in kurzer Entfernung ein hoch aufragender Felsblock, wo sich einige die Frage stellen, wer dieses tonnenschwere Stück wohl in diese Landschaft gestellt hat. Neugierig wird der behauene Fels betastet und umrundet. Es ist einige der wenigen Plastiken, an denen ein Schild auf Künstler und Titel hinweist. Uli Gsell aus Ostfildern/Stuttgart hat hier sein Werk „Vom Morgen bis zum Abend“ in den  Jura-Kalkblock geschlagen. Durch ein Guckloch,  das je nach Jahreszeit sicherlich sehr unterschiedliche Ausblicke bietet, blicken die Wanderer in gegensätzliche Richtungen. Dann tauchen weitere schwergewichtige Plastiken auf, die in zwei Symposien (1969 und 2000) von über zwei Dutzend internationaler Künstler geschaffen wurden. Die meisten haben keinen Titel, bestechen aber mit Größe und Form, mit der sie von den Künstlern nach ihren individuellen Vorstellungen bearbeitet wurden. Die tonnenschweren rohen Steinklötze waren einst von einer Stuttgarter Firma nach Oggelshausen gebracht worden.  Obwohl erst vor einigen Jahrzehnten geschaffen, wirken die steinernen Riesen wie aus einer vergangenen Epoche, vergleichbar mit den steinernen Menhiren in der Bretagne. Genauso rätselhaft und beeindruckend.

Die Skulpturen sind entlang einer rund vier Kilometer langen Strecke verteilt und reichen für die wanderhungrigen Albvereinler natürlich als Tagesetappe nicht aus. Tatiana führt sie daher nach einem Picknick noch tiefer durch die oberschwäbische Moorlandschaft. Verwelktes Riedgras, weiße Birken, frisch gefurchte Moorgräben zieren die Wege. Mit schwarzem Moorboden und blanken Wurzeln sorgen riesige Baumscheiben umgefallener Fichten für Aufregung. Es sind keine Steinskulpturen, sondern  von der Natur geschaffene Gebilde, die wie märchenhafte Kunstwerke aus der Moorlandschaft ragen.

Schon bald führt der Weg über einen schmalen Holzsteg zu den Überresten der Siedlung Forschner (Name des Entdeckers aus Biberach), einem Anfang der 1990er Jahre ausgegrabenen bronzezeitlichen Fundplatz mit Pfahlbauten, heute Unesco-Welkulturerbe. Einbäume und hier gefundene Töpferwaren sind im Federseemuseum in Bad Buchau zu finden. Von einem kleinen Aussichtsturm sind Oggelshausen und Bad Buchau in der Ferne zu sehen.

Dann, kurz vor Oggelshausen, die Gruppe ist etwas zerfleddert unterwegs, biegt eine kleine Schar noch zu einer in einer Moorwiese liegenden Skulptur ab, die den Titel „Federseeschale“ trägt,  geschaffen von Gerold Jäggle aus Ertingen.  Regenwasser hat sich in ihrer Mitte angesammelt, kleine Steinbrocken liegen im Wasser. Flugs greifen einige nach den Steinen und klopfen spontan auf die dickwandige Schale, die überraschend klangvolle Töne von sich gibt.

Die rund 11,5  Kilometer lange Wanderung schließt mit einer Einkehr im Dorfgasthaus Löwen, wo sich während den Symposien auch die Künstler getroffen hatten.

HK