Bei Schneeregen und ungemütlichen Temperaturen war es gerade recht, dass die Frauengruppe am letzten Donnerstag keine Wanderung, sondern eine Fahrt mit Bahn und Bus nach Ulm ins Museum unternahm. Der kurze Spaziergang zu den „Einsteins“ führte an der „Blau“ entlang und an der „Klingenden Brücke“ vorbei, die die meisten noch nicht kannten. Die tragenden Elemente der „Smart Circular Bridge“ bestehen, aus Flachsfasern und bio-basiertem Epoxidharz. Dieser Verbundwerkstoff ist extrem stabil und sechsmal leichter als Stahl. In Zeiten von Klimawandel und schwindenden Rohstoffen verringern bio-basierte Verbundwerkstoffe den CO 2-Ausstoß der Baubranche. 42 eingebaute Sensoren liefern in Echtzeit Daten zu Temperatur, Belastung und Verformung. Mit einem Computerprogramm werden die Daten in Klänge übersetzt und das Bauwerk wird auch zum klanglichen Erlebnis.
Weiter ging es an der Synagoge vorbei bis zum historischen Gebäude „Engländer“, das früher einmal die Wirtschaft „König von England“ war und später eine Bettfederfabrik beherbergte. Einsteins Großmutter hatte in dem Gebäude eine Wohnung und auch Anteile an der Federfabrik. Mit seiner Bogendecke mit Stuckfragmenten beeindruckt das Gebäude von innen noch mehr wie von außen. Hier ist die Dauerausstellung untergebracht, die die Verbindung des Nobelpreisträgers Albert Einsteins mit seiner Geburtsstadt beleuchtet. Der „Sohn von Ulm“, der am 14. März 1879 in Ulm geboren wurde, lebte nur 15 Monate hier, seine große Familie jedoch blieb in der Stadt ansässig. Das Geburtshaus in der Bahnhofstr. 21, existiert nicht mehr, da es im 2. Weltkrieg zerstört wurde. An der Stelle wurde jedoch ein Messingband eingelassen. Für die Ausstellung wurde das Haus mit 15.000 Legosteinen nachgebaut. 2005 fand der erste Einstein-Marathon statt. Eine Einstein-Figur aus Plastik erinnert an die Aktion „Mensch Albert“. Der Künstler Ottmar Hörl platzierte 500 der Figuren in verschiedenen Farben auf dem Münsterplatz. Sie konnten beliebig versetzt oder in anderen Stadtteilen aufgestellt werden. Der Schriftzug „Die Einsteins“ ist der Schrift vom Nobelpreisträger nachempfunden und als Marke streng geschützt. Er kann jedoch käuflich erworben werden.
Traurige Schicksale von einzelnen Familienmitgliedern werden in der Ausstellung geschildert. 1873 wurde die erste Synagoge eingeweiht. In der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurde sie wieder zerstört und dann abgerissen. Die Jüdische Gemeinde hatte ca. 500 Mitglieder in Ulm. Der Begriff „Shoah“ bedeutet, dass die jüdische Gemeinde eliminiert wurde. 18 Verwandte von Albert Einstein wurden in dieser Zeit ermordet. Andere konnten noch rechtzeitig auswandern oder schickten ihre Kinder allein in die Fremde.
Albert Einstein selbst lebte nach seiner Geburt mit seinen Eltern in der Schweiz und zog 1914 als Professor nach Berlin. Am 30. Januar 1933 kehrte er jedoch von einer Studienreise nicht mehr zurück, gab seinen Pass in Belgien ab, und wanderte in die USA aus. Im Jahr 2012 wurde eine neue Synagoge errichtet.
Die Zeit war viel zu kurz, so dass die Geschichten im Kellergeschoss und die visuellen Zeitzeugen nicht mehr gehört werden konnten. Der beeindruckende Nachmittag fand seinen Ausklang im Café. Vielen Dank liebe Ute für die sehr gute Idee und die Organisation!
SK






